Weltmeister: Italien

WM 2006 in Deutschland

©AFP PHOTO / NICOLAS ASFOURI

Die 20. Fußball Weltmeisterschaft fand zum zweiten Mal nach 1950 in Brasilien statt, das sich als einziges südamerikanisches Land um die Austragung beworben hatte.

„Die Welt zu Gast bei Freunden“ lautete das Motto der 18. Fußball-Weltmeisterschaft, die zum 2. Mal nach 1974 in Deutschland ausgetragen wurde. Franz Beckenbauer hatte als Vorsitzender des Organisationskomitees maßgeblichen Anteil daran, dass sich Deutschland gegen die starken Mitbewerber durchsetzen können. Bis zur Bekanntgabe des Austragungsorts galt Südafrika in Kreisen der FIFA als klarer Favorit, doch Deutschland setzte sich mit 12:11 Stimmen durch, wie der sichtlich überraschte FIFA Chef Sepp Blatter am 06. Juli 2000 verkünden musste. Die Umstände der überraschenden Mehrheit für die deutsche Bewerbung sind allerdings Teil eines Untersuchungsausschusses, der bis heute noch nicht abgeschlossen ist…

Das Turnier ging später als das „Sommermärchen“ in die Deutsche Geschichte ein. Vier Wochen strahlender Sonnenschein, ausverkaufte Stadien mit überragender Stimmung, Millionen begeisterter Fans bei den ersten offiziellen „Public Viewing“ Veranstaltungen und eine frech und offensiv aufspielende deutsche Mannschaft versetzten ein ganzes Land in einen Zustand überschwänglicher WM Euphorie, die auch über Ländergrenzen hinweg ansteckend wirkte. Deutschland präsentierte sich der Welt als ein fröhliches, friedliches und offenes Land, das in dieser Form kaum jemand erwartet hatte.

Wie in den vergangenen Jahren wurde die Finalrunde wieder unter 32 Teilnehmern ausgespielt, die zunächst in acht Vorrundengruppen eingeteilt wurden. Ausschlagbebend war eine Setzliste, die das Abscheidern der Teilnehmer bei den letzten WM Turnieren sowie die aktuelle Positionen in der FIFA Rangliste berücksichtigte. Erstmals seit 1970 konnte die deutsche Mannschaft alle Vorrundenpartien gewinnen und gefiel dabei spielerisch von allen Mannschaften am meisten. Als Favoriten galten jedoch Argentinien und Brasilien, die beide ebenfalls problemlos ins Achtelfinale einzogen, ohne restlos überzeugen zu können. Auch in den Achtelfinalspielen konnte lediglich die deutsche Mannschaft beim 2:0 Sieg über Schweden spielerisch gefallen, letztlich qualifizierten sich aber alle Favoriten für das Viertelfinale.

Die beiden Begegnungen zwischen Portugal und England sowie Argentinien und Deutschland wurden erst im Elfmeterschießen entschieden. Deutschland siegte dabei gegen den hohen Favoriten aus Argentinien nicht zuletzt durch den Spickzettel von Jens Lehmann, den er vor jedem Elfmeter als psychologischen Trick zückte, um dort scheinbar die Ecke abzulesen, in der Schütze zielen würde. Lehmann konnte zwei Elfmeter parieren, die deutschen Spieler alle Elfmeter verwandeln. So zog Deutschland wie Portugal ins Halbfinale ein, das England nach Elfmeterschießen mit 3:1 besiegte. Die enttäuschenden Brasilianer schieden gegen Frankreich aus und Italien zog mit einem 3:0 über die Ukraine ebenfalls in Halbfinale ein, wo es auf die Mannschaft aus Deutschland traf. Die spannende Partie wurde erst kurz vor dem Ende der Verlängerung in der 119. Minute durch ein Tor von Grosso entschieden. Am Ende stand es 2:0 für Italien. Im zweiten Halbfinalspiel siegte Frankreich gegen Portugal mit 1:0.

Das kleine Finale konnte Deutschland in Stuttgart mit 3:1 gegen Portugal gewinnen und sicherte sich damit den vielumjubelten 3. Platz, der nach dem Turnier mit 500.000 Zuschauern auf der Berliner Fanmeile ausgiebig gefeiert wurde. Das Finale zwischen Frankreich und Italien wurde von zwei Protagonisten bestimmt: Dem italienischen Verteidiger Materazzi und dem französischen Superstar Zidane. Das 1:0 für Frankreich fiel durch einen Strafstoß von Zidane, dem ein Foul von Materazzi an Zidane vorausgegangen war. Den Ausgleich erzielte Materazzi selbst und konnte seinen Fehler so wieder ausbügeln. In der Verlängerung provozierte Materazzi Zidane durch Beleidigungen zu einer Tätlichkeit. Zidane wurde wegen eines Kopfstoßes gegen Materazzi in der 110. Minute des Feldes verweisen. Damit fehlte die französische Leitfigur im Elfmeterschießen, das Italien schließlich mit 5:3 für sich entscheiden konnte. Nachdem Deutschland 1990 in Italien gewann, wurde also nun Italien 2006 in Deutschland zum insgesamt vierten Mal Weltmeister.

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Der Weg von Deutschland

Gruppe A    
Deutschland 4:2 Costa Rica
Deutschland 1:0 Polen
Ecuador 0:3 Deutschland
1/8 Finale    
Deutschland 2:0 Schweden
1/4 Finale    
Deutschland 1:1
4:2 n. Elf.
Argentinien
1/2 Finale    
Deutschland 0:2 Italien
Spiel um Platz 3    
Deutschland 3:1 Portugal

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