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Sloweniens Protest abgewiesen

Bad Boys erringen ein 25:25 nach Videobeweis gegen Slowenien

EHF EURO 2018 Gruppenspiel SLOGER ©imago|Tilo Wiedensohler

In einer historischen Schlacht im 2. Vorrundenspiel gegen Slowenien zieht das DHB-Team vorzeitig in die Hauptrunde ein. Am Mittwoch gegen Mazedonien soll nun ein Sieg zum Gruppengewinn her.

Was für ein Spiel! Diese Geschichte schreibt nur der Handball. Nach 59 Minuten, in einem äußerst hart geführten Spiel, in dem sich die deutsche Mannschaft von Anfang an sehr schwer tut, steht es 23:24. Deutschland ist in Unterzahl, aber in Ballbesitz, Es ist klar, dass jetzt noch maximal ein Unentschieden drin ist. Deutschland lässt den Ball laufen, dann bei 59:35 nimmt Prokop die letzte Auszeit: Zeit ausspielen, dann das Spiel nach rechts verlagern, damit Gensheimer auf Außen freistellen, der dann abschließen soll. Danach “auf die Hand gehen” - sprich den letzten Gegenangriff um jeden Preis unterbinden. Das ist der Plan. Und tatsächlich, der Angriff gelingt, Paul Drux trifft bei 59:46 zum 24:24. Dann Hektik, Slowenien drängt blitzschnell mit aller Macht in den letzten Angriff. Heinevetter ist kaum im Tor zurück und die deutsche Abwehr bekommt Blaz Janc nicht gefasst, der sieben Sekunden vor Schluss zur 25:24 Führung für Slowenien trifft. Die Entscheidung, denken alle zu diesem Zeitpunkt.

Doch dann passiert das Unfassbare: bei 59:57 holt Heinevetter den Ball aus dem Tor, wirft ihn direkt zu Paul Drux an die Mittellinie, der dort von drei Slowenien im Mittelkreis am Anwurf gehindert wird. Dann ist das Spiel vorbei, die Slowenen jubeln überschwenglich. Doch Silvio Heinevetter stürmt zu den Schiedsrichtern und versucht in dieser hochexplosiven Atmosphäre einen Regelverstoß zu erklären. Die Regel wurde erst im Sommer 2016 eingeführt und besagt, dass Regelverstöße innerhalb der letzten 30 Sekunden Spielzeit zwingend mit einem Siebenmeter und einer Roten Karte zu ahnden sind. Dazu zählt auch die Behinderung bei der Wurfausführung.

Und tatsächlich: Daraufhin schauen sich die Schiedsrichter aus Litauen die Szene immer wieder auf einem Monitor am Schiedsrichtertisch an. Die alles entscheidende Frage: erfolgte der Wurfversuch von Paul Drux noch innerhalb der regulären Spielzeit? Nach fast sieben Minuten erfolgt die Sensation: Rote Karte gegen Slowenien und Siebenmeter für Deutschland. Gensheimer, der bereits mehrere Siebenmeter an diesem Tag verworfen hat, lässt Tobias Reichmann den Vortritt, der eiskalt zum 25:25-Endstand verwandelt. Dabei bleibt es auch am Folgetag, der Protest der Slowenen wird von der EHF abgewiesen.

Im Gegensatz zum 1. Spiel gegen Montenegro lief bei den Bad Boys vieles nicht rund. Insgesamt waren die Slowenen aggressiver uns setzten dem deutschen Angriff stark zu, der nie ein wirksames Mittel gegen die slowenische Defensive fand. Dazu kamen einige Abwehrschwächen. Bundestrainer Prokop versuchte die Abwehr immer wieder durch Wechsel zu stabilisieren. Auch die deutschen Torhüter hatten nicht ihren besten Tag und blieben deutlich hinter ihren Bestleistungen zurück. Wollf konnte in den ersten 20 Minuten gar nur einen Ball parieren und wurde dann durch Heinevetter ersetzt.

Zur Stabilisierung der Abwehr hat Bundestrainer Christian Prokop prompt reagiert und eine zuletzt viel diskutierte Entscheidung revidiert: Finn Lemke, der erfahrene Abwehrchef und EM-Held von 2016 ersetzt Bastian Roscheck von der SC DHfK Leipzig. Lemke stößt schnellstmöglich zur Mannschaft und soll schon im nächsten Vorrundenspiel gegen Mazedonien eingesetzt werden, In diesem Spiel geht es dann um den Gruppensieg. Spannung dürfte wieder garantiert sein. Das Spiel beginnt am Mittwoch, um 18:15 und wird live in der ARD übertragen.

Deutschlands Torschützen beim 25:25 gegen Slowenien

Heinevetter, Wolff – Weinhold (2), K. Häfner (1), Janke, Ph. Weber (3), Fäth, Kühn (1), Drux (1) – Reichmann (4/3), Groetzki (4), Gensheimer (7/2) – Wiencek, Pekeler (2), Kohlbacher, Roscheck

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