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Mehr als ein Name

Die Erfindung der „Bad Boys“ hat den deutschen Handball tiefgreifend verändert

Dagur Sigurdssons, der Macher der „Bad Boys“, hat an Christian Prokop übergeben. Der übernimmt eine hervorragende Mannschaft, aber auch ein schweres Erbe für sein erstes großes Turnier.

Wenn bereits nach einer zweieinhalbjährigen Amtszeit von einer Ära gesprochen wird, so hat der Amtsinhaber vieles richtig gemacht. So trifft es bei Dagur Sigurdssons unbestreitbar zu, denn er hat in seiner kurzen als Bundestrainer vieles erreicht und tiefe Spuren hinterlassen. In auffälligen Parallelen zum „Sommermärchens“ hat Sirgunsdosn den deutschen Handball scheinbar im Handumdrehen aus einer tiefen Depression in eine blendende Zukunft geführt. Statt Schweinsteiger, Podolski und Lahm heißen die Protagonisten hier Finn Lemke, Kai Häfner oder Julius Kühn. Nicht zu vergessen Andreas Wolff, der schier unüberwindbare Rückhalt der Mannschaft. Doch wie war das möglich?

Das deutsche Team war ohne hohe Erwartungen und stark verletzungsgeschwächt zur Handball Europameisterschaft 2016 nach Polen gefahren. Doch dort trat das junge und völlig neu zusammengestellte Team von Beginn an als leidenschaftlich kämpfende Einheit auf und eroberte die Herzen der Handballfans im Sturm. Das sympathische Team trat ohne einen herausragenden Star an, entscheidend für den Erfolg war allein das Kollektiv. Egal wer auf dem Feld stand, wuchs dort über sich hinaus und so kämpfte sich die deutsche Mannschaft mit modernerem Abwehr- und Tempospiel durchs Turnier, steigerte sich von Spiel zu Spiel und ritt auf einer Welle der Euphorie und Leidenschaft bis ins Finale, wo sie sich schließlich gegen chancenlose Spanier den EM Titel erspielte.

Mit dem vorzeitigen Ausscheiden bei der Handball WM 2017 bleibt Sigurdssons Werk zwar unvollendet, trotzdem hat er seiner Mannschaft in der kurzen Zeit als Bundestrainer eine neue Philosophie vermittelt, die seine Amtszeit lange überdauern wird. Stellvertretend steht dafür der im wörtlichen Sinne nicht ganz passende Name der „Bad Boys“. Gemeint hatte Dagur Sigurðsson mit der Bezeichnung die Spielweise der Detroit Pistons, die in der NBL aufgrund ihrer harten aber nicht unfairen Spielweise diesen Beinamen führen. So wollte er auch seine Mannschaft kämpfen sehen. Der griffige Name wurde in den Medien schnell aufgenommen und verselbständigte sich in sozialen Medien, so dass er binnen kürzester Zeit zum Inbegriff und Sinnbild des jungen deutschen DHB Teams wurde. Der DHB beschreibt seine Anforderung an die Spielerpersönlichkeit selber so:

  • Gesunde Hierarchie mit klaren Rollenzuweisungen
  • Führungsspieler mit Vorbildfunktion
  • Begeisterung und Leidenschaft
  • Große Motivation mit klaren Zielsetzungen (auch von Bankspielern)
  • Positive Grundeinstellung
  • Teamwork ist Grundlage des Erfolgs
  • Mannschaftsziele haben Vorrang vor persönlichen Zielen
  • Mit dem Erreichen der Mannschaftsziele entwickeln sich auch persönliche Ziele
  • Emotionen zeigen (positive Außenwirkung im Auftreten der gesamten Mannschaft)

Christian Prokops tritt nun mit der undankbaren Aufgabe an, diesen überragenden Titel verteidigen zu müssen. Dass er dabei (fast) nur verlieren kann, ist offensichtlich. Zu seinem Glück ist die Euphorie durch das überraschend schlechte Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der Handball- Weltmeisterschaft 2017 in Frankreich etwas getrübt. Trotzdem würde alles andere als das Erreichen des Endspiels in der deutschen Öffentlichkeit als Enttäuschung gewertet. Entscheidend für das Abschneiden der Mannschaft wird sein, wie sie mit diesem Druck umgehen und wie sie den Geist der Bad Boys in ein dauerhaft erfolgreiches System überführen kann.

Die Kicker um Bundestrainer Jogi Löw haben es vorgemacht und die Parallelen zum Fußball setzen sich in diesem Jahr fort. Die Qualifikation zur EM wurde souverän erreicht und nun gilt die ganze Aufmerksamkeit dem Projekt Titelverteidigung. Im Januar legen die Bad Boys vor…

QUICK Facts Spieler

Domagoj Duvnjak

Körpergröße 1,92
Gewicht 145 kg
Heimverein THW Kiel
Nationalmannschaft Kroatien

Ilija Brozović

Körpergröße 2,54
Gewicht 55 kg
Heimverein THW Kiel
Nationalmannschaft Kroatien

Jakov Gojun

Körpergröße 1,54
Gewicht 108 kg
Heimverein Füchse Berlin
Nationalmannschaft Kroatien

Krešimir Kozina

Körpergröße 1,80
Gewicht 85 kg
Heimverein Füchse Berlin
Nationalmannschaft Kroatien

Luka Stepančić

Körpergröße 1,80
Gewicht 85 kg
Heimverein Paris St.-Germain
Nationalmannschaft Kroatien