Keiner war öfter qualifiziert

„Die Mannschaft“ bucht das Ticket für Russland

Die deutsche Nationalmannschaft absolviert die Qualifikation mit Bravour und einem neuen Rekord. Damit startet Deutschland 2018 als Top Favorit in das WM Turnier

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Vor der Endrunde in Russland hat sich die deutsche Nationalmannschaft bereits den Titel des „WM Qualifikation-Weltmeisters“ gesichert. Durch den 5:1 Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Aserbaidschan hat die Mannschaft ihre 19. WM-Qualifikation mit einem Rekord abgeschlossen: 10 Siege in 10 Spielen schaffte zwar auch die Mannschaft aus Spanien bei der WM Qualifikation 2010, jedoch erreichte Deutschland mit 43:4 Toren die bessere Tordifferenz und ist somit die beste Qualifikations-Mannschaft, die es je gab.

Als amtierender Weltmeister und Titelverteidiger, Confed-Cup Sieger 2017 und WM-Qualifikation- Rekordhalter geht Deutschland mit einer noch die dagewesenen Ausgangsposition in die WM-Endrunde und nimmt dort natürlich, ob sie will oder nicht, eine Top-Favoritenrolle auf den Titel 2018 ein. Bei näherer Betrachtung blieb Deutschland auch bei den Qualifikationen für die Weltmeisterschaften 1934, 1938, 1962 und 1982 ohne Punktverlust, musste damals aber weniger Spiele austragen.

Insgesamt kamen in der WM-Qualifikation 37 Spieler im deutschen Kader zum Einsatz. Die meisten Einsätze verzeichneten dabei Joshua Kimmich, der in allen zehn Spielen über die gesamte Spieldauer eingesetzt wurde und Thomas Müller, der auf neun Einsätze kam. Die besten Torschützen waren Sandro Wagner und Thomas Müller, die beide auf je fünf Treffer erzielten.

Der Weltmeister der Qualifikation

Die Bilanz der deutschen WM Qualifikation ist schier unglaublich: Seit Beginn hat Deutschland noch nie ein Auswärtsspiel verloren und ist in 45 Qualifikationsspielen ungeschlagen. 35 Auswärtsspiele konnten davon gewonnen werden. Insgesamt gingen von den 90 Qualifikationsspiele nur zwei Spiele verloren – zwei Heimspiele.

Am 16. Oktober 1985 riss die Serie ausgerechnet unter dem Teamchef Franz Beckenbauer ab. In Stuttgart setzte es ein 0:1 gegen Portugal, das folgenlos blieb –das WM-Ticket für Mexiko war bereits gelöst. Die zweite deutsche Heimniederlage bleibt insbesondere in England unvergessen: Am 01. September 2001 verlor das deutsche Team in München trotz einer 1:0 Führung gegen England mit 1:5. Eine sensationelle Niederlage und dramatische Blamage.

Trotzdem schneidet die deutsche Mannschaft bei Qualifikationsspielen insgesamt besser ab, als alle anderen. Nur zwei Mal wurde es das ein deutsches Team mit der WM Teilnahme knapp: Ausgerechnet in der Qualifikation für die WM 1990 in Italien tat sich die deutsche Mannschaft außerordentlich schwer und wurde erst im letzten und entscheidenden Spiel gegen Wales durch ein Tor von Icke Häßler zum 2:1 erlöst. Deutschland musste dieses Spiel gewinnen und hätte andernfalls die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft in Italien verpasst. Das Ergebnis ist bekannt: Weltmeister 1990!

Bei der Qualifikation zur WM 2002 in Südkorea/ Japan musste Deutschland als Gruppenzweiter zwei Entscheidungsspiele gegen die Ukraine bestreiten. Am 10. November 2001 wurde in Kiew ein Unentschieden erreicht. Vier Tage später qualifizierte sich Deutschland in Dortmund durch einen 4:1-Sieg. Am Ende wurde Deutschland Vize-Weltmeister.

Deutschland in der Favoritenrolle

Nach der überzeugenden WM Qualifikation sind die Erwartungen an deutsche Team enorm. Allerdings träft das deutsche Team an der Favoritenblast schwer. Bei aller Euphorie sprechen zwei Statistiken gegen das deutsche Team: noch nie wurde der Sieger des Confed-Cups im darauffolgendem Jahr auch Fußball Weltmeister und noch nie ist der deutschen Nationalmannschaft eine Titelverteidigung bei einem WM Turnier geglückt. Alle drei bisherigen Versuche endeten allesamt enttäuschend. 1958 schaffte es die deutsche Mannschaft bis ins Halbfinale, wo sie mit 1:3 gegen den Gastgeber aus Schweden unterlag. Nach der „Schmach von Cordoba“ und dem 2:3 gegen Österreich war bei der Fußball-WM 1978 bereist im Viertelfinale Schluss, genauso bei der WM 1994 in den USA nach einem überraschenden 1:2 gegen Bulgarien.

2018 muss die Mannschaft also vor allem zeigen, dass sie mit der Favoritenrolle zurechtkommt. Alles andere als der erneute WM Titel ist für die Mannschaft eine Enttäuschung.